KULT
in der Galerie im Kastenmeiers,
dem Fischrestaurant im Kurländer Palais in Dresden
vom 15. November bis 22. Dezember 2011.
Vernissage am 16. 11. um 11:16 Uhr
Laudatio: Dr. Peter Ufer
von Dr. Peter Ufer
Sehr geehrte Damen und Herren -
herzlich willkommen, schön, dass Sie alle hier sind, um Schönheit zu genießen.
Denn was wir sehen, erscheint uns ästhetisch, elegant und perfekt. Wir erblicken außergewöhnlich anmutige Frauen, die uns in die Augen schauen, die uns locken, die uns erregen, die Spannung erzeugen. Eine Animation des Augenblicks. Der Fotograf liebt das Schöne und lässt uns teilhaben. Wir lassen uns gern verführen und landen in der Falle.
Daniel Bahrmann setzt auf unsere Schwäche, weil er weiß: Der schöne Schein scheint den Scheinheiligen heiligsten.
Die Reinheit, ja Makellosigkeit, die uns Daniel Bahrmann weiß macht, machen will, nimmt er als Mittel zum Gag. Er sucht Erleuchtung hinter der bunten Fassade. Seine Kunst besteht darin, Kunst zu persiflieren. Er nimmt angestrebte Perfektion, nicht, um sie zu perfektionieren, sondern den lrrsinn dieses Vorhabens vorzuführen. Er zeigt die Hatz nach dem ldealbild, indem er ldealbilder verzerrt.
Schließlich strömt durch Zeitungen, Zeitschriften, durch Filme im Kino, durch das Fernsehen, durch Werbung und durch das lnternet eine Bilderflut auf den Menschen ein, die kaum noch zu verarbeiten ist.
Keines der Bilder, die uns medial begegnen zeichnet die Wirklichkeit. Jedes Bild ist inszeniert, auf irgendeine Art bearbeitet, also letztlich manipuliert. Mediale Wirklichkeit ist konstruiert, denn sie bildet nie ab, was geschieht, sondern worüber subjektiv berichtet wird. Sie ist immer Ausschnitt, wie Wahrnehmung überhaupt.
Wir könnten jetzt philosophieren, ob es Realität überhaupt gibt, wissen aber alle sofort, das jeder in seiner Realität lebt und ohne diese Konstruktion die Orientierung verlieren würde.
Daniel Bahrmann konzentriert sich auf die mediale Wirklichkeit, rückt sie ins Unwirkliche und zeigt so, wie sie wirklich ist. Er versucht die vorhandenen Ausschnitte auszuschneiden, zu vergrößern, zu überhöhen, auf den vermeintlichen Aussagewert zu reduzieren, um uns genau dieses Phänomen, aber nicht den Betrachter vorzuführen. Schließlich fallen wir gern auf ihn herein, weil er uns mit seinen Bildern zugleich ein Alibi verschafft. Wir dürfen sie hängen ohne zu hängen, weil wir erklären können, dass das Schöne als Gegenentwurf gedacht ist.
Denn die mediale Bilderwelt steigert ihre technische Qualität. Auf den Bildschirmen von HD-Fernsehern erkennen wir jeden Wimpernschlag wie im Großraumkino, wir sehen jede Falte, jedes Haar, und könnten jedes Pickel identifizieren, wenn es denn noch da wäre. Aber es ist längst weg retuschiert.
Je genauer wir hinsehen können, umso ungenauer wird das, was wir sehen, weil es geschminkt, gefotoschopt oder schön operiert ist.
lm den neuesten 3-D-Filmen erleben wir längst keine Schauspieler mehr, keine Landschaft, sondern computergesteuerte Figuren in computergestylten Welten, künstliche Intelligenz regiert die Welt, so dass wir erschrecken, wenn wir plötzlich nach draußen kommen und erkennen müssen, wie unperfekt die Welt ist. Zeitschriften, die sich abgrenzen wollen, erklären plötzlich, sie würden wieder echte Menschen ins Blatt nehmen und keine Models mehr.
Während Kunst alles Verfremden darf, führt die Perfektion in der Dokumentation, in der journalistischen Wiedergabe zum Widerspruch, weil der Alltag anders aussieht. Aber wer will den schon sehen.
Schon in der Kindheit sah sich Daniel Bahrmann mit manipulierten Medien konfrontiert. Seine Eltern lasen unter anderem das Neue Deutschland, das vor allem mit den Wortinhalten nichts mit der Wirklichkeit zu schaffen hatte, jedenfalls nicht mit dem Alltag der Arbeiter und Bauern, die der Staat angeblich regieren ließ.
lm Studium in Braunschweig begegnete ihm erneut das Phänomen, aber auf ganz andere Art und Weise. Die Freiheit, jeglichen lnhalt öffentlich werden zu lassen, führt zu einem Wettbewerb der Verpackungskünstler.
Was sich hervortut, wird wahrgenommen, das, was glänzt, was schön tut, was dem ldeal nahe kommt, was Vollkommenheit vorgaukelt verkauft sich am besten. Bahrmann wollte stören, weil ihn der Drang zur Beschneidung der Realität störte.
Seit 2005 arbeitet der Künstler freischaffend und schuf neben seinen fotografischen Werken ein Fest, das immer mehr von sich reden macht. Das Literaturfest Meißen gehört zu den bemerkenswerten Kulturveranstaltungen in Sachsen, belebt und bewegt die Elbestadt. Großen Respekt für diese ldee und die großartige Organisation.
Während sich der Fotograf und Grafiker beim Literaturfest fest auf dem Boden der Realität bewegt, begibt er sich mit diesen Foto auf ein Feld zwischen Kunstgriff und Kopierkritik. Sein Naturalismus heißt Medialismus. Ein Sujet der Medienkultur. Er nimmt sich aus Druckwerken, was ihm gefällt, seziert es aufs Genauste und schafft neue Druckbilder als Druckmittel.
Das wirkt verblüffend, verrückt. Es könnte Popart sein wie Andy Warhol sie einst schuf. Es ist nicht neu, aber sehr gut gemacht. Überraschend und letztlich schon wieder so perfekt, das wir es schön finden.
Hier in diesen Räumen, in denen der Genuss regiert, in denen die alten Sandsteinmauern angenehmes Flair verbreiten, sind die Fotos bestens platziert, verwirrend, modern, erheiternd und geben Einblick.
Es sind Spiegel, wir müssen nur hinein schauen. Wir lassen uns gern verführen und landen in der Falle.
Wie schön.
Dr. Peter Ufer, Autor und Jounalist: www.peterufer.de

Die Geschichte des Orpheus dürfte jedem bekannt sein: Orpheus, der Sänger aus Thrakien, bezaubert mit seiner Lyra und seinem Gesang Menschen und sogar Tiere, Pflanzen und Steine. Aus Liebe zu der Nymphe Eurydike stieg er einst in die Unterwelt des Hades hinab. Denn als seine Frau Eurydike vor der Gewalt des Aristaios zu fliehen versucht und durch seinen Schlangenbiss ums Leben kommt, gelingt es Orpheus, mit seiner Musik die Wächter der Unterwelt zu verzaubern, so dass er ihr folgen kann. Selbst der Tod lässt sich von der Musik dazu bringen, Eurydike wieder freizugeben. Jedoch unter der Bedingung, dass Orpheus sie auf dem Rückweg nicht ansehen dürfe. Ungeduldig blickt Orpheus aber kurz vor Erreichen der oberen Welt der Lebenden zurück, um sich zu vergewissern, dass sie noch da ist. Doch dadurch verliert er seine geliebte Frau nun endgültig.
Diese Geschichte von der Macht der Kunst über den Tod, aber der unmöglichen Erfüllung der Liebe, hat nicht nur Musiker, sondern auch Maler, Dichter, Bildhauer und Schriftsteller immer wieder gefesselt.
So auch in den Fotografien von Daniel Bahrmann, die sich mit dem Thema intensiv beschäftigen. Die Bilder spiegeln das Begehren und die letztendliche Unerreichbarkeit von absoluter Liebe und Schönheit wieder.
Der Blick als das Verderben auslösende Verhängnis, ist immer wieder im Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit Daniel Bahrmanns. Seine Motive findet er in der alltäglichen Bilderflut der Medien in der heutigen Gesellschaft. Auch diesen Bildern ist ein bestimmtes Versprechen inhärent, dass niemals erfüllt werden kann. Diese Sehnsucht nach Liebe und Ewigkeit ebenfalls die sagenhaften Lieder des Orpheus wieder, der eben selbst Steine zu Weinen brachte. Einzig die Musik ist in der Lage diese Gefühle so zu transportieren, während die Bilder eigentlich stumm bleiben.
Insofern ist die Ausstellung der Fotografien in der Musikschule eine perfekte Ergänzung.
Die Vernissage ist am 14.Januar 2011, 18 Uhr in der Musikschule des Landkreises Meißen, Hafenstrasse 50.
www.musikschule-landkreis-meissen.de

in der St. Urban-Kirche Meißen
zum 6. Kunstfest Meißen am 3. und 4. Juli 2010
Die Fotografien von Daniel Bahrmann zeigen vergrößerte Ausschnitte von Bildern, die in den Medien täglich gedruckt und verbreitet werden. In der Ausstellung zum 6. Kunstfest Meißen werden einige seiner Fotografien in der St. Urban-Kirche zu sehen sein. Diese Fotografien zeigen Details des menschlichen Antlitzes, die das ewige Versprechen von Schönheit repräsentieren. Wie im Adonis-Mythos wird jedoch das Versprechen von Schönheit und Glück niemals erfüllt werden. Tod und Vergänglichkeit triumphieren letztendlich.
Weitere Details dazu auf der Webseite: www.kunstfest-meissen.bentula.com

täglich von 11.00 bis 18.00 Uhr
Eintritt frei.
Präsentation und Verkauf von künstlerischen Druckgrafiken, Zeichnungen, Aquarellen, Fotografien und Künstlerbücher mit fachkundiger Beratung durch anwesende Künstler.
Der Kunstverein veranstaltet am 8. und 9. Mai 2010 den 9. Meißner Grafikmarkt mit Künstlerinnen und Künstlern aus Meißen und der Region.
Die Künstler präsentieren ihre Arbeiten am Samstag und Sonntag von 11 bis 18 Uhr im historischen Ratssaal des Meißner Rathauses, der in den letzten Jahren saniert worden und nun dem Publikum erstmals in ganzer Größe und Pracht zugänglich ist.
Den Meißnern und ihren Gästen werden die Werke bekannter und noch zu entdeckender Künstler und Künstlerinnen nicht nur zum Ansehen, sondern auch zum Kauf angeboten. Gezeigt werden Grafiken, Aquarelle, Zeichnungen und Künstlerbücher von Künstlern, Grafikern und Designern. Die Künstler sind anwesend, um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen.
Der in Meißen lebende Maler und Grafiker Wolfgang E. Herbst wird während des Grafikmarktes auf seiner Boston-Tiegelpresse ausgewählte Holzschnitte aus seinem umfangreichen Werk drucken. Diese und weitere grafische Arbeiten, sowie Bücher aus seinen Handpressen können während des Grafikmarktes erworben werden.
Das Grafikmarkt-Plakat zum 9. Meißner Grafikmarkt wurde von Kay Leonhardt gestaltet und wird zum Grafikmarkt exklusiv von Hand gedruckt und in limitierter Auflage verkauft.
Webseite Kunstverein Meißen >>> www.kunstverein-meissen.de

Dresden 15. November 2009 von 12-18 Uhr

Zwischen Fiktionn Wirklichkeit und Projektion bewegt sich der Besucher im Experimentierfeld aus Fotografie und elektronischer Musik. Im Konflikt von induzierter Erwartung, Verlockung und Manipulation wird eine Fiktion von Losgelöstheit, Verträumtheit und Zeitlosigkeit projiziert. Vor der Alltäglichkeit versteckt, eine vertraute und doch unnahbare Studie in den Kellergewölben der Galerie Adam Ziege auf der Louisenstraße 87.
Installation in den Kellergewölben der Galerie Adam Ziege mit Fotografien von Daniel Bahrmann und musikalischer Performance, Elektronische Musik, Improvisation und Klanginstallation von saanasessions (Andreas Grajek und Falk Zakrzewski).
Louisenstr. 87. 01099 Dresden
Webseite Offenes Atelier >>> www.offenes-atelier-dresden.de
Informationen zu saanasessions >>> www.lastfm.de/music/saanasessions
Glalerie Adamm Ziege >>> www.adamziege.artmovement.org
Es ist die breite Bildkultur, wahrlich eine Bilderflut, die in unsere Lebenswelt eingedrungen ist wie kein anderes Medium und mehr Lebensbereiche umfasst denn je. Dabei ist in jenen Massenmarkt der Medien insbesondere die Neukonstellation des Ästhetischen eingedrungen, ja man kann sagen eine Omnipräsenz des Ästhetischen. Das Universum der Bilder scheint sich verselbstständigt zu haben.
Doch Daniel Bahrmann übt Zweifel am Bild. Was sehen wir wirklich? In einer Welt der Illusion – in einer Welt, in der das Bild keine Rückschlüsse mehr auf die Wirklichkeit zulässt sieht er die Offenbarung des Debakels zwischen Verlockung und Enttäuschung. Die Verlockung der manipulativen Schönheit der Bilder und die Enttäuschung über ihre Unnahbarkeit - oder die Enttäuschung über den schnellen Verlust der anfänglichen Euphorie.
“Quin etiam docui, qua possis arte parari; Et quod nunc ratio est, impetus ante fuit.” - „Ja, ich hab' auch gelehrt, wie dich gewinnen man könne. Und was Trieb nur vorher war, ist geregelte Kunst.“ So steht es geschrieben in Ovids „Remedia Amoris“ (V. 17-20) dessen Titel die Ausstellung trägt. Auf die triebhafte, aber auch kunstvolle Verführung folgt die Enttäuschung. Vielleicht die Enttäuschung über ihre Leere. Vielleicht die Enttäuschung über eine „geregelte Kunst“, eine genormte Kunst, die uns determiniert und letztlich den Zugang zum eigenen Ich, wenn man es pathetisch formulieren möchte, versperrt.
Diesem Thema widmet sich Daniel Bahrmann auf eine besondere Weise. Er fotografiert Bilder. Er erzeugt Bilder. Seine Motive sind Materialien aus der Medienwelt. Eine Art der Bildproduktion die darauf hindeutet was uns seine Kunst vermitteln soll. Denn seine Bilder beruhen eben nicht auf Tatsachen, sind keine Zeugnisse der Wirklichkeit. Eben so, wie seine Motive auch keine Rückschlüsse auf das Leben zulassen, denn auch sie sind nur Bilder.
Somit verstärkt Daniel Bahrmann das Paradoxon von Präsenz bei gleichzeitiger Absenz, dem jedes Bild, jede Fotografie zugrunde liegt. Denn die Objekte der Bilder sind nur für das Auge da, obwohl sie am Ort ihres Erscheinens, ihrer Präsentation, nicht existieren.
Annekathrin Kohout
Dresden
Daniel Bahrmann- Remedia amoris
Ausstellung in der Galerie Adam Ziege
vom 24.7. bis 22.8.2009
Vernissage am 24.7. 2009, 20.00 Uhr
Galerie Adam Ziege
Louisenstr. 87
01099 Dresden
geöffnet Di - Sa 16 - 20 Uhr