Statement

Über Appropriation Art
Aneignung von Vorhandenem

Ich fotografiere Bilder. Ich sammle Bilder, die mir im Alltag begegnen.
Genauer gesagt, eigne ich mir insbesondere die künstlich inszenierte Wirklichkeit von Anzeigenfotos und Modefotos aus Zeitschriften an.
Die Welt in den Massenmedien, Reklame, Kino, Zeitungen und Fernsehen, erscheint einfach verlockender, echter, überzeugender und schöner als die Realität.
Fotos beinhalten auch eine Wahrheit, trotz des Wissens um Manipulationen und Verführung, wird ihnen geglaubt. Die empirisch belegte Tatsache, dass wir letztendlich der verführenden Illusion der Bilder unterliegen, finde ich sehr erstaunlich, denn selbst eine kritische Grundhaltung medialen Bildern gegenüber, verhindert nicht das Festsetzen dieser Stereotypen im kollektiven Vorstellungsvermögen; irgendwann und irgendwo kriegen sie uns doch, meist unbewusst. Auch ich kann mich den Bildern nicht entziehen.
Daher verwende ich öffentliches und allgemeines Bildmaterial aus den täglichen Printmedien; nehme Bilder aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang heraus und gebe sie isoliert und variiert wieder. Mit dieser Separierung befrage ich die Bilder nach ihrer Wirkung und Authentizität und prüfe, ob sie im öffentlichen Raum vielleicht Teil einer gemeinsamen, aktuell vorherrschenden Bildsprache und Gestik sind. Mit der Kritik an der bestehenden Bilderflut und stereotypen Verwendung von Idolvorstellungen, nutze ich das vorhandene Bildmaterial auch affirmativ für meine eigenen Bildvorstellungen.
Ich möchte Bilder schaffen, die sich trotz ihrer Oberfläche, einer einfachen Kategorisierung entziehen und durch eine malerische Bildhaftigkeit wirken.
Schon seit langem sammele ich Fotos aus Zeitschriften, fotografiere Teile davon, sowie Ausschnitte mit einfachsten Digitalkameras, denen ich zusätzliche Linsen vorsetze, und drucke auf Farbdruckern verschieden große Bilder aus. Daraus entstehen meist thematisch aufeinander bezogene Serien von Bildern.
Dabei handelt es sich nicht um reine Reproduktionen, denn die Ausschnitte konzentrieren sich auf meist auf Gesichter oder Teile des Körpers und lassen Schrift und Signets weg, da diese vom eigentlichen Bildinhalt durch Wiedererkennen der Zugehörigkeit ablenken. Auch kann sich die rein optische Wiedergabequalität von der Vorlage in Helligkeit und Körnung etc. unterscheiden.
Hier geht es in erster Linie um den Aspekt des Sammelns von bestimmten Motiven, die in der Werbung immer wieder benutzt werden. Dadurch sind die Bilder, deren Lebenszeit medienbedingt nur sehr kurz ist, aus dem Fluss der alltäglichen Bilder herausgenommen und durch die Wiederfotographie mit speziellen Kameras, die eine gezielte Ästhetisierung darstellt, haltbarer und wertvoller gemacht worden.
Ich verstehe das Sammeln als eine Grundhaltung, ein Suchen nach dem Geist und der Essenz der Zeit und Gesellschaft, in der ich lebe, ohne dass ich Anspruch auf eine wissenschaftlichen Vorgehensweise und Archivierung erhebe.
Bei den Motiven, die ich zunächst ausgewählt habe, handelt es sich meist um Darstellungen von Frauen, die jung, schön und sexy sind. Sie zeigen das typische Klischee, das die Medien prägen und für die Steigerung ihrer Auflagen nutzen.

In meinen Arbeiten geht es um eine Analyse der Manipulation durch Werbung und gleichzeitige Vereinnahmung der suggestiven und simulativen Funktionsweisen.
Grundsätzlich ist meine Arbeitsweise zunächst auch ein affirmatives Inbesitznehmen von schönen Bildern aus der mich umgebenden Welt, die weder eine alternative Subkultur widerspiegelt, noch die elitäre Welt einer Highsociety zeigt. Es sind die Bilder, die jedem normalen Menschen begegnen können.
Mich interessiert die Konstruktion von Weiblichkeit in den Medien als sinnstiftendes Moment einer Alltagskultur. So benutze ich als Materiallieferaten sowohl billige Boulevardblätter als auch Hochglanz-Lifestylemagazine. Beide dienen als Orientierungspunkte und Identifikationsobjekte und bieten dem Publikum große Projektionsflächen für Träume und Wünsche.
Ich betreibe damit eine gezielte Vereinahmung von Vorhandenem als meine künstlerische Reaktion auf eine stilisierte mediale Umwelt.

Ebenso die technische Seite interessiert mich die Melancholie, die in diesen Bildern steckt. Die Gesichter blicken ernst und nur selten ist ein Lächeln zu sehen, dann erscheint es jedoch leer und gefroren.
Die Fotos scheinen in ihrer Konzentration auf die zentralen Bildinhalte das Debakel zwischen Verlockung und Enttäuschung zu offenbaren. Die Nichterfüllung der suggestiven Wünsche ist in die seriellen Darstellungen impliziert. Die garantierte Verweigerung von Echtheit und Erlangbarkeit macht die Melancholie in den Blicken der fotografieren Frauen zum zentralen Punkt dieser Fotografien.


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